Rebecca* (38 J.) sitzt fix und fertig vor ihrem Computer. Daneben eine Flasche Wein nebst Glas sowie ein überquellender Aschenbecher. Mit leeren Augen starrt sie in den Bildschirm. Vor einer Woche noch fühlte sie sich wie die glücklichste Frau auf Erden.

Nach vielen Jahren Singledasein, unzähligen Dates mit Männern aus Online-Singlebörsen und nicht wenigen Stunden Einsamkeit hatte sie – in diesem Glauben lebte sie zumindest –  endlich, endlich (!!!!) ihren Mr. Right gefunden.

Muss man – besser gesagt FRAU – heute schon froh sein, wenn man als Singlefrau Ende Dreißig einen Mann – dazu noch beim Online-Dating – findet, der zwei bis drei der von weiblicher Seite gewünschen Eigenschaften mitbringt, so vereinte Harald, so heißt Rebeccas Ex, so gut wie alles in sich, was Frauen sich unter einem Traummann vorstellen.

Die Optik wie ein Schauspieler, volle dunkle Haare, stets superschick gekleidet, tadellose Manieren und nicht zuletzt  gut situiert.

Zur ersten Verabredung holte er sie zum Spaziergang im Bentley ab. Es folgte Date auf Date, diverse Unternehmungen, Kuschelabende am Kamin, sinnliche Nächte.

Es war noch keine drei Wochen her, da erklärte Harald, dass sie – und nur sie – die erste Frau sei, mit der er sich nun, mit seinen 40 Jahren, die Gründung einer Familie vorstellen kann. Ein adäquates Anwesen als Familiensitz, welches er kaufen wollte, hatte er auch schon in Augenschein genommen.

Wolke Sieben auf Zuckerwatte!

Und jetzt das:  auf der Singlebörsen-Seite, auf der sie Harald kennengelernt hat, blinkt ihr höhnisch der Online-Button seines Profils entgegen.

Er sucht also schon wieder neu. Hat dies wohl auch die ganze Zeit während ihrer gemeinsamen Beziehung getan. Und ganz sicher vor parallelen Dates mit anderen Frauen nicht zurück geschreckt!

Am letzten Donnerstag hatte er ihr dann eröffnet, dass seine Gefühle für sie „doch nicht reichen“ und hat die junge Beziehung für beendet erklärt.

Am Handy.

Ein weiteres Treffen folgte auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht.

Seitdem ist Rebecca wie vor den Kopf gestossen, durchlebt wie in Trance die Tage, spielt wieder und wieder alles durch.

Seit sie Harald vor knapp zwölf Wochen kennen gelernt hatte, sprach er stets von einer gemeinsamen Zukunft.

Und nun sitzt sie da, raucht eine nach der anderen, schüttet Massen an Wein in sich hinein und kann nicht anders, als immer wieder  auf`s Neue die Datingseite, wo er sein Profil eingestellt hat, aufzurufen. Zu sehen, dass er online ist, überstieg fast das Maß des Erträglichen für Rebecca.

Geschlafen hat sie kaum seitdem und gegessen sowieso nicht.

Sie befindet sich im Schockzustand und denkt manches mal noch immer, dass das nur ein Alptraum sein kann, aus dem sie gleich erwacht.

Dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen….

Tausenden Frauen ergeht es wie Rebecca. Sie lernen im Internet einen tollen Mann kennen, man trifft sich mehrmals, das Kennenlernen wird intensiviert, Zukunftspläne werden geschmiedet und dann – von heute auf morgen – gibt der gute Mann kund: „der Funke ist nicht übergesprungen – das war`s!“.

Diese Männer, die so unendlich vielen Frauen das Herz brechen, sind nicht wirklich auf der Suche nach einer echten Partnerschaft.

Es sind Spieler und das Internet mit seinen vielzähligen Singlebörsen das Spielfeld.

So wie andere Schach oder Monopoly spielen, tummelt sich diese Sorte Mann in den Datingportalen und treibt sein fieses Spiel mit unzähligen Singlefrauen.

Seine überaus attraktive Optik kommt ihm dabei natürlich stets zugute. Die guten Manieren und der Eindruck, dass er zudem vermögend ist, tun ihr übriges.

Es ist die Mixtur, auf die Frauen anspringen.

Dabei ist alles was er möchte schlicht und ergreifend: Sex.

Mit immer wieder neuen, attraktiven Frauen.

Seine Strategie dabei ist ausgefeilt und kein bißchen plump, was den Erfolg seiner Masche ausmacht. Oftmals gibt er vor, geschäftlich sehr aktiv und in diverse namhafte Unternehmen involviert zu sein. Das erklärt seine häufige Abwesenheit.

Zumeist entspricht das nicht den Tatsachen. Während er den Businesstrip vortäuscht, trifft er sich längst schon wieder mit der Nächsten.

Doch es gibt Warnsignale. Auch bei Rebecca gab es Zeichen im Vorfeld. Leider kann sie sie erst jetzt im Nachhinein richtig deuten.

Da war dieses nie gelöschte Profil von ihm in der Singlebörse.

Sie selbst hatte sich kurze Zeit, nachdem sie auf Harald getroffen und mit ihm zusammen gekommen ist, abgemeldet. Da die Datingseite jedoch noch einmal irrtümlich einen Betrag von ihrem Konto abbuchte, loggte sie sich eines Tages ein.

Und sah, dass sein Profil (entgegen seiner Aussage, er hätte sich abgemeldet) noch aktiv war. Zum Zeitpunkt ihres Logins waren erst wenige Stunden vergangen, seit er das letzte Mal online war.

Das schlechte Gefühl in der Magengrube verdrängte sie damals.

Aufgefallen ist ihr aber schon dazumal noch mehr.

Zum Beispiel, dass Harald an den Wochenenden nie komplett Zeit hatte und die Telefonate mit ihm so abliefen, dass ausschließlich er anrief. Immer zu ein und demselben Zeitpunkt.

Ihn besuchen sollte sie nie. Einmal ließ es sich jedoch nicht vermeiden und so trafen sie sich bei ihm. Dort konnte sie sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Wohnung ein möbiliertes Apartment, das man für eine gewisse Zeit anmieten kann, ist. Ein Ambiente, das so gar nicht zu seinem weltmännischen Auftreten passte. Dazumal dachte sie jedoch nicht wirklich weiter darüber nach.

Und noch was fiel ihr auf:

wenn er von früheren Beziehungen sprach, so kam daraus hervor, dass diese nie lange hielten. Und immer an Dingen gescheitert sind, die vorher schon bekannt waren.

So war ihm einmal eine Frau zu alt (woraufhin er die Beziehung nach wenigen Wochen beendete), die andere hatte – was auch zu Beginn des Kennenlernens klar war – drei Kinder und wiederum eine andere einen Hund. Auch das störte ihn irgendwann und so beendet er kurzerhand auch diese noch kurze Beziehung wieder.

Immer alles wegen Attributen, die vorher feststehen und wohl nur als feigen Vorwand dienen sollten.

Dies alles erzählte er Rebecca frank und frei.

Datingexperten werten dieses Verhalten bereits als einen versteckten Hinweis an die aktuelle Partnerin dieses Männertyps, dass auch sie nicht mehr lange an seiner Seite weilen wird.

Viele Frauen, deren Herzen von so einem „Spieler“-Typ gebrochen wurden, fragen sich – zu Recht – warum dann schon so rasch von großer Liebe, von Familie und einem gemeinsamen Kuschelnest gesprochen wird?

Die Antwort ist einfach nur simpel:

weil dieser Typ Mann mit genau dieser Strategie an sein Ziel kommt. Das Ziel heißt Sex. Eine Zeit lang mit dieser, danach mit jener, dann wieder mit einer anderen.

Ernsthaftes Bindungsinteresse? Fehlanzeige?

Der „Spieler“-Typ weiß einfach worauf es ankommt, nutzt sein gutes Aussehen und seine exzellenten Manieren, um zu beeindrucken. Ist doch nur natürlich, dass dieses Auftreten bei Frauen, die im Netz sowieso schon an viel zu viele Frösche, Selbstdarsteller und Bindungsängstliche geraten, einen guten Eindruck macht.

Leider ist aber hinter der Fassade nicht viel. Das große Business: Fehlanzeige! Er verkauft sich so nur, um was darzustellen.

Manche dieser Typen hocken in einer einfachen Plattenbauwohnung, schwingen sich in den einzigen guten Anzug, den sie besitzen und fahren mit der Luxuskarosse vom Autovermieter beim Date vor.

Jetzt, wo Rebecca schon Stunden vor der Singlebörse hockt, und ihn als „online“ angezeigt bekommt, kommen ihr so viele Ungereimtheiten in den Sinn.

Ihre Gefühle aber sind dennoch unendlich verletzt, ihre Fassungslosigkeit, ihr Schmerz nicht in Worte zu fassen.

So wie sie sich kennt, wird es Wochen dauern, bis sich der erste grausame Liebeskummer nach diesem Ende legt und sie realisiert, dass sie wieder Single und zudem auf einen gefühllosen Spieler reingefallen ist.

Man kann solche Erlebnisse im Endeffekt nur als Erfahrung abbuchen.

Und sich bewusst machen, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Auch solche Erlebnisse. Meist weiß man viel später erst warum. Das sollten sich betroffene Frauen immer wieder sagen! Und bis dahin lieber einen zweiten Blick riskieren, wenn ein Mann schon vor Ablauf eines halben Beziehungsjahres von Familienplanung spricht. Und im Bentley um die Ecke kommt…..!

Herzlichst,

Linda-Tabea Vehlen

*Name von der Redaktion geändert

Bildnachweis: Fotolia, © runzelkorn #29554185

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