Offene Beziehung?

Auf welt.de – dem Online-Portal der WELT – häufen sich seit geraumer Zeit Beiträge zur offenen Ehe. Seitensprünge, Swingerclubs und die Polyamorie werden dort seit Monaten irritierend in den Himmel gehoben.

So auch in einem aktuellen Beitrag, der auf welt.de am 13. Oktober 2020 unter der Überschrift: „Warum Monogamie so oft scheitert – und wie sie funktionieren kann“ erschienen ist. In dem Beitrag bringt eine Berliner Therapeutin ihre eigenen Gedanken zur offenen Ehe „zu Papier“ und preist anschließend ausschließlich DAS Partnerschaftsmodell, das für SIE funktioniert. Sprich: Die offene Beziehung, die sie mit IHREM Partner lebt.

Diese schließt sexuelle Kontakte mit anderen Menschen ein.

Leben in offener Ehe – in Deutschland eher Einzelfälle

Nun mag das ein Modell sein, das mancher lebt und das vielleicht gar nicht mal so wenig vorkommt (obwohl Polyamorie, die offene Beziehung, in Deutschland absolut die Minderheit in Sachen Beziehungsmodelle darstellen dürfte). Doch Monogamie und damit die treue Zweisamkeit in Bausch und Bogen zu verdammen, ist schon ein Stück weit dreist. Das irritiert auch die Leser des Artikels, die ihre Meinung in der Kommentarspalte kundtun. Und diese Meinungen lesen sich mal so ganz anders, als das Modell der Autorin, das – wohlgemerkt – ihr ganz eigenes, privates Beziehungsmodell ist.

Zum  einen wird die Häufigkeit solcher Artikel in der WELT, bzw. auf deren Online-Plattform kritisiert, Zitat einer Leserin:

„Die Beiträge zu Polygamie, offener Beziehung, etc.häufen sich in der “Welt“. Bildzeitungsniveau.“

Und zum anderen lassen die Kommentatoren durchschimmern, dass ein Modell der offenen Ehe wohl wirklich nur Leuten einfallen kann, die super-oberflächlich sind. Und zudem kinderlos. Auch das kommt nämlich zur Sprache.

Autorin wird Oberflächlichkeit vorgeworfen

Aber der Reihe nach. Zunächst der Kommentar, der vor allem die Oberflächlichkeit der Autorin in den Fokus rückt, allerdings auch mit dem Verweis auf Kinder. Zitat:

„Frau S. redet, als sei Sex in einer tiefen, langen Partnerschaft das Wichtigste. Wenn man gemeinsam Kinder hat, das Leben gemeinsam meistert, füreinander einsteht und sich gegenseitig unterstützt, dann gerät Sex so weit in den Hintergrund. Wenn er statt findet, ist es eine wundervoll vertraute Sache, weil man den anderen kennt, weiß wie er auf Berührungen reagiert, weiß, was er mag und was nicht und auch er weiß, was man selber mag. Ich finde das tausendmal erstrebenswerter, als mich immer wieder auf Neue einzustellen und wieder aufs Neue herauszufinden, wie es mit neuen Partnern gut klappen kann. Es gibt in einer solchen Partnerschaft (langjährig) einfach so unglaublich viele andere schöne Dinge, die viel wichtiger sind, als Sex. Und durch die man sich auch nah sein kann. Sowas kann keine frische Beziehung oder sexuelle Abwechslung bieten. Ich finde dieses Fokussieren auf Sex unfassbar oberflächlich.“

Die Tatsache, dass die Interessen, wenn man eine Familie hat, tatsächlich auch eine Zeitlang woanders liegen können, rückt dieser Kommentar hier in den Mittelpunkt, Zitat:

„Was mich interessieren würde. Hat die Autorin Kinder? Mit Kindern bleibt doch kaum noch Zeit für eine offene Ehe. Es sei denn, die Kinder bekommen weniger Zeit und Aufmerksamkeit.“

So ist es! Man kann das – sowieso schon fragwürdige – Konzept der offenen Ehe nun mal nicht auf Paare jedweder Couleur übertragen. Aber genau das macht die Autorin. Und basht nebenbei unterschwellig noch gegen feste Beziehungen. Dabei ist es das von ihr favorisierte Konzept, das sich nicht durchsetzen und bei den meisten Leuten keine Unterstützung finden wird.

Betroffener zerlegt krudes Gefasel in ein paar Sätzen!

Ein Mann zerlegt dieses krude Gefasel denn auch nach Strich und Faden, Zitat:

„Ich kenne diese neumodischen Theorien zur Polyamorie ziemlich gut. Ich lebe seit 2 Jahren selbst (on and off) in solch einer Beziehung – als Dritter, als Mann einer verheirateten Frau, die „wegen des Kindes“ beim Vater/Ehemann bleiben möchte, mit mir aber alles das leben möchte, was sie „in ihrer Ehe“ nicht bekommt. Meine Meinung dazu: Totaler Quatsch! Die angebliche Polyamorie ist nichts anders als eine hedonistische ICH-Bezogenheit von verwöhnten 30 bis 40 Jährigen, die tendenziell nicht (hart) arbeiten müssen (weil Wohlstand von zuhause) und ihre Selbstgerechtigkeit und opportunistische Schwäche damit rechtfertigen, dass man heutzutage doch „neue Konzepte leben kann“ (Polyamorie). Für die Person mit zwei Partnern mag das einfach sein, sie bekommt ja auch alles. Doch die beiden anderen können sehr verletzt sein, wenn echte Gefühle im Spiel sind. Da helfen auch Reden und Offenheit nichts. Ich für meinen Teil genieße die extra Zeit als Dritter, hüte nich aber sehr davor, zu viele Emotionen zu investieren, geschweige denn, etwas zu erwarten. Aber der arme Ehemann….“

Genau so ist es: Diese Polyamorie, die nun medial überall hochgeschrieben und als viel gelebtes Beziehungskonzept über den grünen Klee gelobt wird, ist nichts anderes als ein absurdes Konzept, das irgendwann mal in Mode kam und von dem so getan wird, als sei es gesellschaftlich hoch anerkannt.

Eher hippe Traumtänzerei als echtes Beziehungskonzept

Wie der Herr schon schreibt: Völliger Quatsch.

Dass es dennoch medial so derartig hochgepusht wird, kann man vielleicht mit der oftmals bizarr wirkenden Mode in Modezeitschriften vergleichen: Es wird so getan, als sei das alles der letzte Schrei, aber in der Öffentlichkeit sieht man keinen Menschen so herumlaufen.

Zudem muss sich jeder nur in seinem persönlichen Umfeld umgucken, um zu sehen, dass Polyamorie-Beziehungen eher Einzelfälle sind. Nicht zu verwechseln freilich mit heimlichen Seitensprüngen und Affären.

Die gibt es tatsächlich zur Genüge. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, schauen Sie sich einfach hier im Magazin um, es gibt viele Artikel darüber.

Recherche-Nachweis: welt.de vom 13. Oktober 2020

Bildnachweis: stock.adobe.com / sakkmesterke
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