Innige Beziehung und doch jederzeit Sex mit anderen Menschen. Was wohl für die meisten Paare jenseits aller Vorstellungen ist, praktizieren tatsächlich einige Paare. Es dürfte die absolute Minderheit von Paaren sein, aber medial wird oft so getan, als wimmele es auf der Welt von Leuten, die ihren Partner mal eben sexuell teilen.

Da mögen die Leute, die großspurig erklären, dass es keine sexuelle Untreue für sie gibt, noch so cool mit dem Thema umgehen – von den Pärchen, die diese Art der Beziehung pflegen, dürfte sich ein ganz großer Teil ganz gewaltig in die eigene Tasche lügen.

Das konnte man dieser Tage in einem Beitrag auf cosmopolitan.de wunderbar nachvollziehen, denn dort war – wie in vielen Medien regelmäßig auch – die offene Beziehung wieder einmal Thema.

Im Mittelpunkt des Artikels steht ein junges Pärchen, die unisono sagen, dass man – sinngemäß ausgedrückt – auch eine liebevolle Beziehung pflegen und dennoch anderweitig sexuelle Abenteuer haben kann.

Soweit so gut.

Allerdings dauert es nicht lange, bis sich dem Leser im Beitrag das Fadenscheinige an der ganzen Sache offenbart.

Denn etwas weiter unten im Beitrag liest es sich über die Emotionen des ach so coolen Paares nämlich so – Zitat:

„Anja: Ich finde es auch gut, wenn Marc einer Frau gefällt. Aber ich bin eindeutig eifersüchtiger und habe viel mehr Angst, ihn zu verlieren. Deshalb nutze momentan auch nur noch ich die sexuelle Freiheit.

Ist das nicht unfair?

Marc: Ich finde das absolut okay. Wir haben auf allen anderen Ebenen eine sehr gleichberechtigte Partnerschaft. Und dass im sexuellen Bereich die Machtverhältnisse etwas schief sind, stört mich nicht. Weil ich zur Zeit gar nicht das Bedürfnis nach anderen Frauen habe. Ich bin absolut ausgelastet, mir fehlt nichts. Für mich ist diese Beziehung perfekt.

Anja: Ich finde es auch nicht ungerecht – weil meine Offenheit Marc ebenfalls Lust bereitet. Würde sie ihn quälen, ginge das natürlich nicht. Es ist schon ein großes Glück, dass wir uns gefunden haben. Ich vermisse bei und mit ihm überhaupt nichts, wir haben wunderbaren Sex. Trotzdem finde ich es toll, dass ich die Möglichkeit habe, noch weitere Facetten meiner Leidenschaft auszuleben.“

Nun ja – mit einer offenen Beziehung, in der jeder andere sexuelle Reize genießen darf, hat das ja am Ende nicht viel zu tun, wenn nur einer „offen“ lebt.

Und: wenn die Angst da ist, dass der Partner sich bei derlei Vergnügungen vielleicht doch noch mal verliebt, dann ist die Beziehung sicher alles, aber nicht offen.

Daran ändert auch nichts, wenn man (FRAU) das Ganze dann schönredet im Stile von „meine Lust, meine Abenteuer mit anderen reizen ihn, bringen ihn in Stimmung“.

Angst, IHN zu verlieren, ist Angst IHN zu verlieren. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Gedanke der wirklich offenen Beziehung berücksichtigt diesen Aspekt nicht – da sind dann wohl beide tatsächlich aus dem eher emotionsloseren Holz geschnitzt. Schleichen sich Verlustängste ein, kann deshalb kaum mehr locker-flockig von einer offen-coolen Partnerschaft gesprochen werden.

Es ist und bleibt ein „sich-in-die-Tasche-lügen“. Kein Wunder – kaum jemand mag sich den geliebten Partner an der Seite mit wem anderen im Bett vorstellen.

Ganz normal – die meisten Menschen ticken wohl so.

Bildnachweis: pexels.com

 

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