Genussvoll und mit selbstherrlicher, vermeintlicher Überlegenheit sind sie wieder am Start: die selbsternannten Experten in Sachen Treue und Untreue.

In diesen Tagen schwirrt das Thema wieder vermehrt durch die sozialen Netzwerke, fast überall mit demselben Tenor: Fremdgehen ist cool.

In dieselbe Kerbe haut ein „Redakteur“ der Süddeutschen Zeitung, der als Überschrift für seinen drittklassigen Artikel den Satz: „Warum mehr Ehefrauen fremdgehen sollten“ gewählt hat.

Es ist beim Thema Fremdgehen wie mit so vielem in diesen Zeiten: das, was wohl für die Mehrheit der Menschen im Land erstrebenswert ist, wird verhöhnt, lächerlich gemacht und als antiquiert bezeichnet.

Von einigen wenigen, die aber (noch?) die mediale Macht hinter sich wissen.

Denn bei solchen Themen springen viele Redaktionen gern an und übernehmen nur zu oft viele fragwürdige Studien und Erhebungen von – zum Beispiel – Seitensprungportalen, ohne sie wirklich zu hinterfragen.

Deshalb geistern häufig auch Meldungen durchs Netz, die an Schwachsinn kaum mehr zu unterbieten sind, siehe Beiträge á la „Diese Berufe haben Fremdgeher“ oder – noch schlimmer – : „Fremdgeher haben die und die Nasenlänge (wahlweise auch Finger- oder Daumengröße!)“.

Nun versucht man offenbar, den vielen unhaltbaren Thesen einen seriösen Anstrich zu geben, indem man Leute wie Lisa Fischbach (laut Internet Psychologin bei Elite-Partner) zitiert oder eben etablierte Zeitungen, wie die oben genannte Süddeutsche, medial so tun, als wäre die Untreue was ganz Erstrebenswertes.

Es muss nicht unbedingt erwähnt werden, dass darauf folgend eine Menge Medien diesen Unsinn verbreiten. Hier erkennt der aufgeklärte Bürger durchaus Parallelen zu anderen aktuellen Themen, man nehme als Beispiel mal nur die Sicherheit.

In Zeiten von Terror, nahezu täglichen Messerstechereien und einer extrem gestiegenen Vergewaltigungsrate wünschen sich die meisten Leute im Lande wieder (mehr) Sicherheit. Oder zumindest die „alte“ Sicherheit wieder zurück.

Und was passiert politisch und medial? Es wird so getan, als wenn das Terrorrisiko kaum zu beschränken ist und es ein Leben in Deutschland ohne Terrorrisiko nun mal nicht mehr gäbe. Ein politischer Irrsinn – freilich – , aber er wird eben nahezu täglich medial lanciert.

Dies aber nur als kleiner Ausflug am Rande  – aufgeklärte Leser werden wissen, worauf ich hinauswill.

Sicher wird es eine Menge Paare geben, die für sich entscheiden, eben NICHT monogam zu leben, aber demgegenüber stehen die Paare, die die Untreue eher nicht auf die leichte Schulter nehmen, vor allen Dingen die Frauen nicht.

Und: es dürfte wohl die Mehrheit sein.

Insofern kommt es mehr als befremdlich rüber, wenn ausgerechnet die Psychologin von Elite-Partner.de eine Hommage an das Fremdgehen schreibt. Immerhin ist das Portal darauf ausgelegt, dass sich  Männer und Frauen hier für eine feste Beziehung finden und nicht für einen profanen Seitensprung.

Aber – wie gesagt – : man hat sich fast schon daran gewöhnt, dass öffentlich die Dinge anders dargestellt werden, als sie wirklich sind.

Schon allein, was ich in Telefongesprächen mit Frauen höre, die ich im Zusammenhang mit dem Lügner- und Fremdgeher-Aufdeckportal www.wen-datet-er-noch.de spreche, offenbart, dass es mitnichten verbreitet ist, eine offene, coole Beziehung zu führen, wo man(n) eben auch regelmäßig fremdgeht. Natürlich gibt es sie – diese Paare, aber sie dürften kaum die Regel sein.

Insofern befremden die immer wiederkehrenden Artikel, die das Fremdgehen als eine Art Lifesyle darstellen, einen Trend, dem angeblich –zig Leute frönen.

Demgegenüber stehen aber auch Statistiken, die ein anderes Bild zeichnen – aus denen hervorgeht, dass wieder mehr geheiratet wird und vor allem auch viele junge Leute Wert auf Treue legen. Auf Werte überhaupt (die heutzutage politisch fast schon unkorrekt sind)!

Nur dass diese Erhebungen ihren Weg leider nur spärlich in die Medien finden, da lieber hält man sich reißerisch an das angeblich überall angesagte Fremdgehen, hat ja auch einen höheren Prickelfaktor!

Das alles noch garniert mit wirklichen und selbst ernannten Experten und fertig ist ein angeblicher Trend. Zumindest in der Medienblase.

Dabei sind diese kruden Behauptungen nur allzu leicht zu widerlegen – man muss nur mal im Freundes- oder Bekanntenkreis rumfragen, wer eine offene Beziehung lebt. Selbst, wenn manche das verschweigen – was legitim ist – dürfte es doch eine verschwindende Minderheit an Paaren sein, wo man sich den Freiraum auch in Bezug auf gegenseitiges Fremdgehen lässt.

Zumal die Welt sich gefühlt täglich schneller dreht, bei vielen Menschen der Stress im Alltag überhand nimmt und auch sonst kaum noch etwas sicher ist.

Der Job, die noch bezahlbare Miete – ja, sogar der Weltfrieden: alles ist fragil und so verwundert es nicht, dass sich die meisten Frauen und Männer in ihrer Beziehung Treue wünschen. So wie man in seinem eigenen Zuhause einen Hort der Zuflucht sieht – eine eigene Insel, zu der nur ausgewählte Menschen Zutritt haben – so dürfte sich auch der Großteil der Paare die eigene Beziehung als exclusiv vorstellen, ohne Dritte.

Man darf also getrost davon ausgehen, dass die verbalen Ergüsse von Fischbach & Co. sich nur an einen Bruchteil der Bevölkerung richten.  Deshalb sollten solche Leute ihre Kommunikation besser umstellen und zielgerichteter in Richtung Zielgruppe agieren und sich nicht anmaßen, für den Großteil der Paare zu sprechen, was leider oft so rüber kommt. Und selbstredend eine einzige Farce ist!

 

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