Single in der GroßstadtJulia Beyer bloggt seit geraumer Zeit in ihrem Blog „Single in der Großstadt“. Und kann dabei viele, viele eigene Erfahrungen, die ihr als Singlelady widerfuhren und die sie immer noch ständig erlebt, einfließen lassen. Geschichten über Anna-Lena, in der sich ganz sicher so manche Frau wiederfindet. Wir haben Julia interviewt.
Wie kam es zu der Idee, einen Blog über das Singleleben in der Großstadt ins Leben zu rufen? Du schreibst ja eher für weibliche Leserinnen – oder?
Schon in der Schule habe ich sehr gerne Geschichten geschrieben und als vor 6 Jahren mein damaliger Freund Schluß gemacht hatte, fing ich wieder damit an und Anna-Lena war geboren. Im Laufe der Zeit sind dank mir, meiner Freunde und Bekannten immer mehr lustige Geschichten aus dem Singleleben dazu gekommen. Besonders die Großstadt, ich komme aus Hamburg, bietet uns Singles ein vielfältiges Angebot, aber auch eine hohe Nachfrage, das bedeutet enorm viel Konkurrenz, auch wenn die bekanntlich das Geschäft beleben soll. In diesem Fall, aber nicht wirklich effektiv ist, sondern eher hinderlich, sich zu entscheiden und nur auf EINEN zu konzentrieren. Letztes Jahr im November, kam ich dann auf die Idee mit dem Blog. Hier erwarten einen der Singlereport, lustige Bilder, Zitate und Sprüche. Die Story, ist aus der Ich-Perspektive von Anna-Lena geschrieben, somit in erster Linie werden die weiblichen Gedanken geteilt, aber Männer können hier aus erster Hand Details der weiblichen Psyche erfahren.
Inwiefern sind eigene Erfahrungen eingeflossen, was erlebst Du, was hast Du als Singlefrau so alles erlebt, was berichtenswert wäre?
Aufgrund von Erfahrungen habe ich mich weitergebildet. Wenn man das erste Mal Single ist, fängt man in der Vorschule an, ich schreibe demnach jetzt meine Doktorarbeit, das war eine harte Lehrzeit. Erst einmal habe ich festgestellt, dass Single nicht = Single ist, denn es gibt viele verschiedene Phasen im Singledasein, da hätten wir den Traurigen-Single, Glücklichen- Single, Alles-vögeln-was-nicht-bei-drei-auf-den-Bäumen-ist-Single, Möchtegern-Single, Workaholic-Single, Verzweifelter Single, Frustrierter Single, Wechselhafter Single und den Neuanfang-Single. Entscheidend ist in welcher Phase man gerade selber ist und auf welchen Single man dann trifft. Der Glückliche Single würde eher selten etwas mit einem Verzweifelten oder dem Frustrierten Single anfangen.
Wodurch zeichnet sich Deiner Meinung nach die typische Großstadt-Singlelady in Zeiten von Web 2.0 und einer immer zunehmenderen Individualisierung des Einzelnen aus?
Gehen wir mal davon aus, dass es eine Glückliche-Großstadt-Singlelady ist. Sie hat eine eigene Wohnung oder lebt noch in einer WG. In Hamburg haben wir nämlich ein ziemliches Wohnungsproblem, wahrscheinlich auch deswegen, weil hier so viele Singles leben. Sie hat einen Job, der ihr Spaß macht, Freunde mit denen sie sich öfters trifft, Hobbys, denen sie nachgeht und kein Problem allein zu sein. Am Wochenende ist sie unterwegs in Bars und Clubs. Ihre Dates legt sie nach dem Feierabend oder liest abends ein gutes Buch. Einige sind in einer Singlebörse angemeldet, allerdings ist sie nicht wirklich auf der Suche, sondern lernt einfach gern neue Leute kennen und wenn darunter der Prinz ist, ist sie dem nicht abgeneigt. Sie ist unabhängig und genießt ihr Leben, sicher fühlt sie sich manchmal einsam, aber dieses Gefühl hat jeder einmal, alles in einem ist sie mit sich und ihrem Leben zufrieden. In den Zeiten von Web 2.0 wird die Liebe digitalisiert, es wird einem einfach gemacht, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, oft hat man mehr eine Sms-Beziehung, als eine zwischenmenschliche und wer weiß wie viele Sms-Beziehungen man auf einmal hat!Neben den schönen Seiten des Singlelebens müssen viele Solisten leider auch die Erfahrung machen, dass der oder die Neue es mit der Wahrheit oder auch Treue nicht so genau nimmt. Welche Erfahrungen oder Beobachtungen hast Du zu diesem eher unschönen Kapitel des Singlelebens gemacht?

Grundsätzlich glaubt man immer an das Gute, weil man den anderen ja nicht wirklich kennt und darauf vertraut, eher hofft, dass er ehrlich mit einem umgeht. Ja und der andere denkt womöglich, ich kenne sie ja kaum, also warum sollte ich dann ehrlich sein! Am Anfang sollte man sich auf das Bauchgefühl verlassen, denn wir nehmen negative Schwingungen des anderen wahr, welches sich dann oft in Unwohlsein, darstellt. Aufgrund des enormen Angebots, trifft man sich am Anfang mit mehreren. In meinem Artikel „Quantität statt Qualität“ gehe ich auf dieses Thema ein, manche Männer stehen einfach auf Obstsalat, anstatt sich „nur“ mit einer Frucht zu begnügen… Persönlich kenne ich diese Kandidaten und mir passiert es ständig, allerdings beim Shoppen, denn da traf ich auf ein Top, dann auf ein Kleid, eine Jeans, eine Bluse und etwas später sah ich noch den Rock Ich denke mit dem Kennenlernen ist es ähnlich, man möchte sich wirklich sicher sein, was am besten zu einem passt und deswegen nimmt man gleich mehrere Teile mit in die Kabine 😉 Nachdem alles anprobiert wurde, wird selektiert, entweder keines konnte so richtig überzeugen oder es bleiben ein bis zwei Teile übrig, tja und jetzt eine Entscheidung treffen, wieso, man kann es doch einfach zurück geben, wenn es einem doch nicht so gefällt. Nicht nur im Fernsehen treffen auf eine Person mehrere Interessenten, die Realität ist gar nicht soweit von den Fernsehformaten: Der Bachelor, Schwiegertochter gesucht usw., entfernt. Mal sehen wann ich mein nächstes Casting, äh, ich meine Date habe.
Nun gibt es ja Singles, die kein Problem damit haben, diesen Status noch lange Zeit zu behalten. Der Großteil aber ist durchaus auf der Suche nach einem Partner für`s Leben. Meist klappt`s aber dann nicht, wenn man intensiv eine neue Liebe sucht. Hast Du hierzu Tipps?
Ja, anstatt zu suchen, lieber auf sich selbst konzentrieren und das Singleleben etwas bunter gestalten. Bevor man an einer neuen Partnerschaft arbeitet, sollte man an sich arbeiten. Denn ist man der Meinung, nur in einer Beziehung glücklich zu sein, fühlt sich der zukünftige Partner emotional verantwortlich und das wollen die wenigsten. Man zieht immer das an, was man ausstrahlt. Nach meiner letzten Trennung musste ich erst einmal mein „Licht“ wiederfinden. Hilfreich waren da meine Freunde, neue Hobbys und Sachen die mich glücklich machen (und man selber weiß ja am besten, was für einen gut ist). Ja und jetzt bin ich sozusagen wieder eine Leuchte und je heller das Licht, desto mehr zieht es jemanden an. Hin und wieder wird man enttäuscht und dass das weh tut und man seine Zeit braucht damit fertig zu werden, ist völlig normal, wichtig ist nur, dass man lernt damit umzugehen. Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen!
Derzeitiger Beziehungsstatus: Glücklich vergeben an mein Singleleben, jedoch habe ich nichts dagegen mich neu zu verlieben!
Du bist Kolumnistin auf einem Singleportal. Sicher bekommst Du da das eine oder andere lustige, komische oder auch traurige Erlebnis von suchenden Singles mit. Kannst Du da vielleicht aus dem Nähkästchen plaudern?
Meiner Freundin ist gerade etwas Lustiges passiert, immer mal wieder bei einer Singlebörse angemeldet, entschloss sie sich vor einem Monat wieder dafür. Nachdem sie sich mit ein paar Männern geschrieben hat, traf sie sich mit einem, er hatte nur ein Foto, aber das reichte ihr. Etwas aufgeregt, machte sie sich dann auf den Weg zum Treffpunkt im Schanzenviertel. Er stand an der Ampel und als sie ihn sah, erkannte sie ihn sofort, sie hatten sich schon einmal vor 3 Jahren getroffen. Sie erinnerte sich an die Situation, als er nur auf das Eine aus war und sie leicht genervt das Weite suchte und sich natürlich nicht mehr meldete. Um so verwirrter war sie, als er sich ihr ganz förmlich vorstellte und von seinem Leben erzählte, denn sie kannte das ja alles schon. Unglaublich, er erkannte sie nicht wieder, immerhin wollte er sie ins Bett bekommen. Nachdem sie eine halbe Stunde ihre Drinks zu sich genommen hatten und sie schon merkte, dass es unweigerlich zu einem Déjà-vu führen würde, entschied sie sich, sich zu outen. Die erste Frage darauf war „Echt, hatten wir Sex?“ worauf hin meine Freundin konterte „Nee, Gott sei Dank nicht, bedankte sich für die Drinks und verließ die Bar. Ich hatte es bis dahin für unmöglich gehalten, dass so etwas passieren kann, aber vor kurzem wiederfuhr mir das gleiche, allerdings wusste der Typ sofort wer ich war. Ich wünschte mir,  im Erdboden zu versinken, denn ich war damals diejenige, die sich nicht mehr gemeldet hatte und bekam nun die Chance, mich für mein damaliges Verhalten, welches 5 Jahre zurück lag, zu entschuldigen.www.singleindergrossstadt.de

Das Interview führte Linda-Tabea Vehlen, auf Facebook unter https://www.facebook.com/#!/lindatabea.vehlen

 

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